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Männer & Sexualität

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Weibliche Sexualität als Mann leben?

Wir können erst dann ganz werden, wenn wir als Mann unsere weiblichen Anteile kennen und anerkennen, als Frau unsere männlichen Anteile. Noch tut sich die Gesellschaft schwer damit, das zu respektieren. Aber die Zeiten ändern sich.

 

Ein Teil der Männerwelt würde mich wohl schon allein für diese Überschrift am liebsten steinigen. In Zeiten, in denen das Patriarchat stark war, hat dieser Teil die menschlichen Gesellschaften beherrscht. Doch die Zeiten haben sich geändert. Ich beginne deshalb mit einer Betrachtung zum Thema »männliche und weibliche Sexualität«. Klaus Peill - Erlebe die Quelle Deiner Kraft - Weibliche Sexualität


Im Zeugungsakt erlebt der Mensch die göttliche Einheit von Mann und Frau. Wen wundert‘s, dass uns die Sehnsucht danach das Leben lang erhalten bleibt?

 

Frauen erobern männliches Terrain

Angefangen hat es, als Marlene Dietrich die Hosenmode für Frauen einführte und Zigaretten mit Spitze rauchte. Schnell etablierten sich die neuen Beinkleider in der Damenwelt, während Röcke und Kleider, wie sie noch bis in die Renaissance auch für die Männerwelt modern und praktikabel waren, verpönt blieben. Nach und nach eroberten sich die Frauen die ihnen bislang verschlossene Männerwelt, und sie tun es bis heute. Frauen sind erfolgreich in der Forschung (Marie Curie), in der Philosophie (Simone de Beauvoir) in der Politik (Angela Merkel, Margaret Thatcher), in der Wirtschaft (Beate Uhse, Grete Schickedanz) – alles Bereiche, die früher allein den Männer offen standen. Umgekehrt werden Männer von ihresgleichen auch heute noch beschmunzelt, wenn sie sich für eine »typische« Frauentätigkeit interessieren: Frisör, Blumen, Kosmetik, Schneiderei, Kranken- und Altenpflege, Ballett … Tatsächlich scheint der Anteil an homosexuell orientierten Männern in diesen Beschäftigungszweigen höher als bei anderen »typisch männlichen« Berufen. Da jedoch auch in schwulen und lesbischen Beziehungen eine energetische Polarisierung in männlich-weiblich, aktiv-passiv die Regel ist, findet man die zugehörigen männlich orientierten Partner dann vielleicht in den entsprechenden männlich orientierten Tätigkeiten. Bei der Kategorisierung von männlich und weiblich können wir uns heute also nicht mehr auf die Schubladen verlassen, die uns die gesellschaftlichen und moralischen Vorstellungen des letzten Jahrhunderts vorgegeben haben. Die Grenzen sind auch in der gesellschaftlichen Wahrnehmung fließend geworden – in der leiblichen und seelischen Realität waren sie es schon immer.

 

Uneindeutigkeit auch in der Natur

Schon C. G. Jung hat uns auf die Anima im Mann und den Animus in der Frau hingewiesen. Der Mensch hat eine rechte und eine linke Gehirnhälfte, wovon die eine mehr den weiblichen Fähigkeiten von Intuition und Emotion und die andere den männlichen Fähigkeiten von Logik und Durchsetzungsfähigkeit zugeordnet ist. Im Fötus sind beide Geschlechter angelegt, erst ab der achten Schwangerschaftswoche bilden sie sich unter dem Einfluß entsprechender Hormone individuell aus. Bisweilen gibt es jedoch auch hier Irritationen, die zu uneindeutiger körperlicher Geschlechtlichkeit führen. Bis heute sieht die Gesetzeslage aber eine eindeutige Geschlechtszugehörigkeit vor, was dann Eltern und Ärzte in solchen Fällen in Handlungsnot treibt und den Betroffenen meist eine operativ erzwungene Geschlechtszughörigkeit beschert. Dann kann es schon mal zu Verwechslungen und schicksalhaften Identitätsstörungen kommen (Pseudohermaphroditismus, testikuläre Feminisierung, Swyer-Syndrom), die nicht notwendig wären, wenn unsere Vorstellung und unser Schubladendenken nicht auf dem Entweder-oder beharren würde, sondern auch das Sowohl-als-auch eine Existenzberechtigung hätte.

 

Sexueller Rollentausch als Tabuzone

Trotz zunehmender Offenheit und sexueller Freizügigkeit gibt es immer noch eine große Tabuzone, wenn es um sexuelle Phantasien und Praktiken geht. Zum Beispiel erleben Männer, die sich von ihren Partnerinnen gerne fesseln und verführen lassen, dabei das Muster der jahrtausendelangen gewaltsamen Unterwerfung des Weiblichen durch das Männliche. Die Sexualität aber stellt manchmal die Welt auf den Kopf. Gäbe es ausschließlich hundertprozentige Männer und Frauen müsste es doch so ablaufen: Die weibliche Hingabe wird erzwungen, wenn sie nicht freiwillig erfolgt. Selbst wenn man die Hingabe als Geschenk betrachtet, müsste sie vom Mann doch in gewisser Weise erobert werden, damit er seine männliche Qualität für sich und die Frau unter Beweis stellen kann. Warum also umgekehrt? Weil es offensichtlich doch eine Frau im Mann und einen Mann in der Frau gibt, die gelebt sein wollen. Es gibt wohl kaum eine sexuelle Phantasie, zu der sich nicht auch ein freudig mitspielender Partner finden ließe. Wer als Mann sich gefesselt und ausgeliefert in sexueller Hingabe üben will, findet am sichersten Erfüllung bei einer Domina – eben jener Frau, die ihre männlichen Anteile von Dominanz, Grenz -überschreitung und Eroberung in diesem Spiel ausleben will. Entweder treibt das Spiel die Eigenschaften von männlich und weiblich ins Extreme, oder sie werden vertauscht. Dazwischen wäre es langweilig. Aber besonders, wenn die Extreme vertauscht werden, also die Frau sexuell-männliche Qualitäten und der Mann sexuell-weibliche Qualitäten auslebt, rutscht die Szenerie in den Tabubereich. Umso mehr noch, wenn der Mann ins weibliche Erleben geht, denn die Domina ist ja quasi schongesellschaftsfähig geworden, während ein Mann mit der Fähigkeit zu weiblichen Gefühlen als Weichei abgestempelt wird. Dabei haben sich die Frauen schon immer Männer gewünscht, die ihre weibliche Hingabe annehmen können, ohne dabei Gewalt anzuwenden. Männer, die den Blick oder die Geste einer Frau verstehen, ohne ständig nachfragen zu müssen. Männer, die einfach (selbst)bewusst genug sind, zu wissen, was eine Frau gerade braucht, und die ihr jeden Wunsch von den Augen ablesen. Doch wie soll ein »normaler« Mann, der nur seine männlichen Anteile kennt, das schaffen? Wie soll ein Mann frauenfreundliche, weibliche Sexualität leben, ohne sich und seine eigene Sexualität dabei zu verleugnen?

 

Die Angst des Mannes vor Verweiblichung

Es ist nicht nur eine philosophische Tatsache, dass das Männliche und das Weibliche im Menschen durch die Zeugung von Vater und Mutter mit gleichen Anteilen eingebracht werden. Beides ist in jedem Menschen vorhanden und findet nur durch die körperliche Ausgestaltung als Mann oder Frau entsprechende Betonung. Im Zeugungsakt erlebt der Mensch die göttliche Einheit von Mann und Frau – entweder als Vater oder Mutter oder als sich inkarnierende Seele. Wen wundert‘s, dass die Sehnsucht nach dieser göttlichen Einheit ein Menschenleben lang erhalten bleibt? Wenn also das Männliche und das Weibliche im Menschen gleichermaßen angelegt sind, dann hat der Mensch damit auch alle Anlagen, sich diese Sehnsucht zu erfüllen. Dazu braucht es in erster Linie Bewusstheit. Eine Selbstbewusstheit, die im Erkennen und Anerkennen des eigenen So-Seins und der eigenen individuellen Sexualität dem Raum gibt, was Wachstum und Heilung förderlich ist. Selbstbewusstheit heißt: hinschauen und anerkennen. Bislang, so scheint es, ist dies eher eine weibliche Eigenschaft. Vielleicht haben die Männer deshalb so große Angst davor hinzuschauen. Die Selbstbewusstheit, die ich meine, ist jedoch eine Eigenschaft des erwachten Menschen. Sie ermöglicht es den Männern, eine neue Dimension eigener Männlichkeit, Menschlichkeit und Sexualität zu erfahren. Männer, die diese neue (Selbst)Bewusstheit leben, haben keine Angst vor weiblicher Sexualität, sondern integrieren sie in ihr Leben als Erweiterung und bereichernde Offenbarung auf dem Weg zum Göttlichen Bewusstsein. 


Connection Tantra Spezial #90 mit einem Artikel von Klaus Peill

Von Klaus Peill

 

Erschienen in Connection Tantra Spezial #90, 12/2011

Artikel als PDF downloaden (folgt in Kürze).

 

 

 

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Copyright © 2011 Klaus Peill - Gesundheitspraktiker (BfG), Stand: 11. Mai 2012